NEUBRITZ - HOME

SANIERUNGSGEBIET
WEDERSTRASSE     
       

PROJEKTE                   

PROJEKTENTWICKLUNG
NEUBAU                     

AKTEURE UND         
ANSPRECHPARTNER 

A R C H I V                   
SANIERUNGSZEITUNG
BROSCHÜREN            
PRESSESPIEGEL       
Gewerbehof                    
Neubritz                          
Autobahn                        
INFO-MAPPE              

AKTUELLES / SUCHE

KONTAKT                  
IMPRESSUM            


  Neukölln       
          

Presseartikel - Neubritz     ( Jahr 2005/2010 - Jahr 2003/2002 - Jahr 2001/2000 )





22. Februar 2001

Ein Haus für die Jugend


Beratungszentrum soll Ende des Jahres öffnen

VON MAGDALENA HOLZHEY
Neukölln - Schulabgänger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und Jugendliche, denen noch die berufliche Orientierung fehlt, werden bald eine neue Anlaufstelle im Bezirk haben. Das "Neuköllner Netzwerk Berufshilfe" (NNB) ist dabei, ein Zentrum für Jugendberufshilfe und -beratung aufzubauen. In Anwesenheit von Bürgermeister Bodo Manegold und Jugendstadtrat Lutz Reichert (beide CDU), der Leiterin des Jugendamtes Gabriele Jetter und Vertretern des Arbeitsamtes und des Vereins "Wirtschaft und Arbeit in Neukölln" wurde das Modellprojekt gestern offiziell vorgestellt.
   Träger ist der Internationale Bund (IB), der sich bundesweit mit rund 700 Einrichtungen in der Aus- und Weiterbildung engagiert. Das NNB hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Vernetzungsstelle für möglichst viele Institutionen im Bezirk zu sein, angefangen vom Jugendamt Neukölln über das Arbeitsamt Berlin Süd bis hin zu Schulen und freien Jugendhilfeträgern. Bereits mehr als 60 Institutionen haben sich dem NNB seit seiner Gründung im Oktober vergangenen Jahres angeschlossen.
   Die Planung und Finanzierung des neuen Netzwerks hängt eng zusammen mit der Entwicklung des Sanierungsgebietes Wederstraße, das unter dem Namen "Neubritz" populär gemacht werden soll. Eines der erklärten Ziele im Zusammenhang mit der Sanierung ist die Einrichtung eines Jugendzentrums an der Glasower Straße 18. In das zweite Geschoss des alten Fabrikgebäudes soll das Jugendberatungshaus des NNB einziehen. Sanierung und Ausbau des 700 Quadratmeter großen Geschosses werden mit Städtebaufördermitteln finanziert. Etwa 1,1 Millionen Mark werde das Bauvorhaben kosten, schätzt Horst Evertz von der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft (BSG), die in Neubritz als Sanierungsbeauftragter tätig ist.
   Der Entwurf des Architekturbüros Archplan sieht vor, Büroräume um eine zentrale Rotunde mit Multimedia- und Jobcafé zu gruppieren. "Keimzelle" der neuen Einrichtung ist das bereits bestehende Multimediacafé "WederNet" des IB in der Wederstraße, das mit ABM-Mitteln finanziert wird. "Dies kann für das NNB keine Dauerlösung sein", so Marga Duran vom IB, "wir müssen uns langfristig andere Lösungen überlegen." Entscheidend an dem geplanten Jugendberatungshaus sei, dass es Freizeit und Zukunftsplanung unter einem Dach vereine, so Frau Duran. "Wir wollen Jugendlichen kontinuierlich und langfristig Beratung und Betreuung bieten." Auch Gerhard Rosenkranz vom Arbeitsamt Süd befürwortet den neuen Ansatz: "Wir können eine solche Form der Beratung gar nicht leisten." Eine vergleichbare Konstellation gibt es in Berlin bisher nur mit der "Trias" in Prenzlauer Berg, die Jobbörse, Jugendberufshilfe und Jugendberatung unter einem Dach vereint. Baubeginn in der Glasower Straße soll im Juli sein. Nachdem der Auszug der AI-Nur Moschee aus dem ersten Stock des Fabrikgebäudes feststeht, muss auch dafür ein Nutzungskonzept entwickelt werden. Manegold hofft, noch in diesem Jahr das Jugendberatungshaus eröffnen zu können. Bis dahin wird das NNB vorübergehend in den Jugendclub an der Grenzallee einziehen.





15. Februar 2001

Werbetrommeln für neuen Ortsteil

Neubritz soll er heißen und Investoren anlocken
- Jetzt hat das Quartier ein eigenes Logo


jo Neukölln - "Ein prima Werbeeffekt", freut sich Hausbesitzer Bernd Peukert. Die Front seines Wohn- und Geschäftshauses an der Hermannstraße 147 ziert seit November ein 11 000 Mark teures Logo von "Neubritz". Der Geschäftsmann ist damit Vorreiter. Schon bald soll das vom Werbebüro Rother und Rathmann im Auftrag des Bezirksamtes entwickelte Zeichen im Quartier rund um die Wederstraße allgegenwärtig sein.
   "Was wir hier vorhaben, ist regelrechtes Stadtmarketing", so Wolfgang Borowski, Leiter des Stadtplanungsamtes. Der Bezirk möchte das Gebiet zwischen Britzer Damm, Delbrückstraße, Buschkrugallee und Jahnstraße unter dem frisch erwählten Namen Neubritz städtebaulich aufwerten und Investoren in den Kiez locken. So sind an der Wederstraße längs der unterirdischen Autobahntrasse Wohnungsneubauten vorgesehen. An der Autobahnmündung Buschkrugallee ist außerdem ein zwei Hektar großer Gewerbehof geplant. "Wir konkurrieren bei solchen Vorhaben natürlich mit anderen Standorten, da macht es durchaus Sinn die Werbetrommel zu rühren", so Borowski.
   Ein Logo ist ein Gestaltungsmittel, das auf schnelle Wirkung abzielt. In Sekundenbruchteilen erkennt der Betrachter, worum es geht und es kommt zum Wiedererkennungseffekt. "Seit an meinem Haus die Schrift an der Fassade prangt, habe ich so viel Aufmerksamkeit wie nie zuvor", versichert Hausbesitzer Peukert. "Vermietungsprobleme werde ich in Zukunft nicht haben." Die in seiner Immobilie ansässigen Arztpraxen nutzen in ihren Werbematerialien schon jetzt den Hausnamen "Neubritzer Tor".
   Kern des entwickelten Werbezeichens ist ein stilisierter Baum, den ein Rahmen umgibt. Darunter steht der Name "Neubritz", dessen " i " vom Baum übernommen wird. "Wir wollen möglichst viele der 300 ortsansässigen Gewerbetreibenden dafür gewinnen, dieses Logo für ihr Werbematerial zu nutzen", sagt Bezirksbürgermeister Bodo Manegold (CDU). Ihm geht es mit der Aktion auch darum, eine Art Wir-Gefühl und Lokalkolorit zu erzeugen: "Bei uns in Neubritz." Von März an wird ein Brief des Bezirksbürgermeisters zusammen mit einer kompakten Info-Mappe an rund 180 Geschäftsleuten verteilt: Als Postbote fungiert Erwin Stüven vom Büro für Sozialplanung an der Bürgerstraße. Der ist sowieso auf "Besuchstour", denn nach der Fertigstellung der Autobahn soll er im Sanierungsgebiet Wederstraße die Gewerbemieter zu ihrer Lage befragen.
   "Wir schlagen also zwei Fliegen mit einer Klappe", so Stüven, der im Gebiet außerdem als Mieterberater tätig ist. Von ihm erhalten die Geschäftsleute das Logo auch als Datei auf einer Diskette und können es so ohne großen Aufwand zum Beispiel in ihr Briefpapier integrieren.
   Ob die Rechnung aufgeht und sich das Neubritz-Logo eines Tages auf Brötchentüten und auf Bierdeckeln findet? Identitätsstiftung braucht Zeit. So wird einiges Wasser den Teltowkanal hinunterfließen, bis der derzeit nicht gebräuchliche Name in aller Munde ist. Aber eines fernen Tages heißt es vielleicht dann doch: "Ach, die in Neubritz wieder..."





8. Februar 2001

Kühne Pläne fürs Quartier Neu-Britz

VON CHRISTIAN JOHN
Neukölln - "Wir werden das Gebiet rund um die Wederstraße mustergültig entwickeln", kündigt Bürgermeister Bodo Manegold (CDU) an. Neubauten, ein Gewerbehof direkt an der Autobahn und eine verbesserte Infrastruktur sollen neue Bewohner, vor allem aber Investoren anlocken. Populär machen will man das Quartier zwischen Britzer Damm, Delbrückstraße, Buschkrugallee und Jahnstraße als "Neu-Britz".
   Noch im vorigen Jahr zog sich wie eine klaffende Wunde die riesige Baustelle der Bundesautobahn A 100 durch den Kiez. Zwischen Britzer Damm und Buschkrugallee grub man den mit 1,7 Kilometern längsten Autobahntunnel Berlins. Seit Juli läuft der Verkehr. Auf dem Tunneldeckel entstand für neun Millionen Mark der sieben Hektar große Carl-Weder-Park. "Das bisher mit Grün unterversorgte Gebiet hat dadurch enorm an Reiz gewonnen", so Horst Evertz von der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschäft. Das Unternehmen ist in Neu-Britz als Sanierungsbeauftragter tätig. An der Glasower Straße 67 gibt es als Anlaufstelle für Mieter und Investoren ein Vorortbüro (Tel. 68 59 87 71).
   Dort bastelt man auch an der Verbesserung der Wohnsituation: Da die Bevölkerung durch Neubauten von derzeit 2000 auf knapp 3000 anwachsen wird, sind zwei neue Kindertagesstätten nötig. Erforderlich ist auch der Ausbau der Zürich-Grundschule an der Bürgerstraße. Freuen können sich die Schüler bereits über ihren neuen Schulgarten, der im April an der Ecke Rungius- und Jahnstraße eröffnet wird.
   Neue Wohnungen sind rund um den Carl-Weder-Park geplant. So bereitet das Unternehmen R+W Immobilien am Britzer Damm 1-5 bis zur Bendastraße den Bau von etwa 150 Wohneinheiten vor. Noch blockiert ein Mieter das Vorhaben, "aber im Frühjahr, beginnt der erste Bauabschnitt", ist Evertz sicher.
  An der Südseite des Parks ist an eine Bebauung der Parzellen Wederstraße 67-81 gedacht. Fünf Architekturbüros entwickelten dafür Ideen. "Ich favorisiere Neubauten, die an italienische Villen erinnern", gerät Bodo Manegold ins Schwärmen. Dafür sind Geldgeber aber noch nicht in Sicht. Investoren werden auch für einen auf zwei Hektar dimensionierten Gewerbehof .an der Mündung des Autobahntunnels Buschkrugallee gesucht. "Was die Nutzung angeht, besteht bei uns Offenheit, betont Wolfgang Borowski, Leiter des Städtplanungsamtes. Er kann sich vorstellen, dort Gewerbe, Handwerk und Dienstleistungsbetriebe anzusiedeln, ebenso aber auch Forschungs-, Entwicklungs- und Schulungsstätten. 600 Arbeitsplätze könnten entstehen.
   Vor allem besticht die verkehrsgünstige Lage, die bei Verlängerung der Autobahn in Richtung Flughafen Schönefeld hoch attraktiver wird. Zudem liegt der U-Bahnhof Grenzallee schon jetzt quasi vor der Tür.
   Vorgesehen ist, die neuen Industriebauten wie einen Riegel direkt an die Trasse zu legen und so Wohngebiete von Lärm und Abgasen abzuschirmen. Der Bezirk legt Wert auf eine markante Architektur. Dazu soll ein Hochhaus beitragen, das an der Ecke Bürgerstraße und Buschkrugallee entstehen soll. Hier erließ der Bezirk bereits einen Vorbescheid, der ein zwölfgeschossiges Gebäude zulässt. Der Antragsteller sucht nach einem Bauherrn.
   Generell legen potenzielle Investoren noch Zurückhaltung an den Tag, "aber wir sind da nicht bang", verströmt Manegold Optimismus, "die kommen schon früh genug."





25. Januar 2001

Multimedia-Café des Internationalen
Bundes bei Jugendlichen stark begehrt


Von CHRISTIAN JOHN
Neukölln - "Das Geld für den Intemetanschluss zu Hause spare ich mir und komme lieber hierher," sagt Julian Lindemann. Der 17jährige Schüler gehört zu den rund 80 Stammgästen im Multimedia-Café "Weder Net", das mitten im Sanierungsgebiet Neu-Britz an der Wederstraße 87-89 liegt. Für eine Stunde am Computer muss hier nur eine Mark gelöhnt werden, deutlich weniger, als in einem kommerziellen Internetcafé.
   "Bei uns ist man nicht nur einfach ein anonymer Kunde, sondern bekommt bei Bedarf auch regelrechte Hilfestellung", erzählt Mitarbeiter Ralf Gruber. Das gilt vor allem für Computer-Anfänger. Goldrichtig ist hier aber auch, wer auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist. Denn zum Programm der Einrichtung gehört es ausdrücklich, Tipps zur Berufswahl zu geben und bei der Zusammenstellung von Bewerbungsunterlagen zu helfen.
   Die Besucher, Zielgruppe sind 14- bis 25-Jährige, dürfen natürlich an den sechs Computer-Arbeitsplätzen auch einfach so nach Herzenslust im Internet surfen, E-Mails verschicken oder chatten. Zur Nutzung stehen außerdem Lernsoftware, Spiele, Musik-, Grafik- und Textverarbeitungsprogramme bereit.
   Zum Mitarbeiter-Team zählen drei Sozialarbeiter, ein Computertechniker und zahlreiche Kräfte, die im Servicebereich für das kleine Café arbeiten. Alles in allem gibt es elf Stellen, die im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme das Arbeitsamt finanziert – befristet für ein Jahr. Im Mai laufen die ersten Verträge aus. "Damit die Einrichtung kontinuierlich arbeiten kann, bemühen wir uns jetzt schon um eine Verlängerung", so Marga Duran, Leiterin der Außenstelle Neukölln des Internationalen Bundes.
   Ihr Verband, der als freier Träger auf Feldern wie Berufsvorbreitung, Umschulung und Qualifizierung tätig ist, hat das "Weder Net" im August 2000 ins Leben gerufen. Eine Premiere, denn bisher verfiügt der Internationale Bund in Neukölln nicht über offene Jugendeinrichtungen, sondern treibt mit Projekten und Lehrgängen die berufliche Qualifizierung von Arbeitslosen voran.
   "Wir kümmern uns vor allem um Gruppen, die durch den Rost zu fallen drohen, also um Behinderte oder auch um benachteiligte Jugendliche", erklärt Bernd Brenner, Bereichsleiter in der Außenstelle Neukölln. Da passt das "Weder Net" dann durchaus ins Profil, denn die . Räumlichkeiten nutzen vor allem Kinder, in deren Elternhaus das nötige Kleingeld für die Anschaffung eines Computers fehlt. Und das kommt im Kiez Wederstraße oft vor, denn viele Familien aus der Mittelschicht zogen wegen des Autobahnbaus weg.
   Als Nutzer haben sich bisher 231 Computerfreaks angemeldet. "Wir sind regelrecht zu einem Anlaufpunkt geworden", meint Sozialarbeiter Gruher, "aber das ist ja schließlich auch der Sinn des Treffpunkts." Bei ihrem ersten Besuch müssen sich die Gäste des Cafés mit Personalausweis vorstellen, bevor es an den Computer geht.
Geöffnet ist Montag bis Sonnabend, 14-21 Uhr, Telefon 62 60 87 92.





22. November 2000

Neubritz soll langsam Form annehmen

An der Buschkrugallee und am Britzer Damm wird bald gebaut

Neukölln. Im Sanierungsgebiet Wederstraße tut sich was: Nachdem der Stadtring bereits zum Alltag geworden ist und der Carl-Weder-Park Formen angenommen hat, beginnen sich nun offensichtlich Investoren für die freien Flächen am so genannten "Tunnelmund" an der Buschkrugallee und an der Bürgerstraße zu interessieren.
   Wie Michael Wend vom Referat Stadterneuerung der Senatsverwaltung für Stadteritwicklung anlässlich eines Besuchs von Staatssekretär Frank Bielka erklärte, gebe es einen Interessenten, der auf zwei Grundstücken am derzeitigen Autobahnende bauen möchte. "Das ist der Einstieg in die Realisierung des "Tunnelmundes"; erklärte er optimistisch. Es handelt sich dabei um das Vorhaben, ein etwa 13-stöckiges Hochhaus an der Buschkrugallee zu errichten, was der bezirkliche Hochbauausschuss bereits abnickte. Auch ein Vorbescheidsantrag wurde von der Verwaltung bereits genehmigt. Nach Aussagen von Horst Evertz von der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft gibt es allerdings noch keinen Bauantrag, und auch das Grundstück ist noch nicht verkauft: "Da muss noch einiges abgestimmt werden."
   Weiter ist man indessen mit dem langjährigen Grundstücks Sorgenkind am Britzer Damm 5: Hier wurden vor gut einer Woche ein erstes Hinterhaus und Remisen abgerissen. Wenn der Frost vorbei ist, soll mit dem Bau eines neuen Wohnhauses mit 31 großen, familiengerechten Wohnungen begonnen werden. Der Abriss war überfällig, denn bereits 1993 sollte der damals noch gar nicht existierende Weder-Park an dieser Stelle eine neue Randbebauung erhalten – was an der Pleite einer Fonds-Gesellschaft scheiterte.
   Nun wird also doch gebaut – vorerst allerdings nur ein erster Bauabschnitt, weil hier die Wohnungen noch gefördert werden. Mit der Fertigstellung auch der übrigen 120 bis 130 frei zu finanzierenden Wohnungen einschließlich eines Ärztehauses an der Ecke zum Britzer Damm rechnet Wend "mittelfristig". Die noch auf dem Grundstück stehenden zwei Gebäude müssen zum Teil sogar erst noch geräumt werden, bevor die Abrissbirne zuschlagen kann. Beispielsweise für das Ärztehaus bestehe seitens mehrerer Praxen aus der Nachbarschaft aber bereits eine große Nachfrage, erlärte Wend.

Erste Bruchbuden am Britzer Damm 5 abgerissen – Neubau im Frühjahr

   
Und so sind die Stadtplaner auch auf Bezirksebene relativ optimistisch: "Es ist schon jetzt zu sehen, dass hier am Britzer Damm eine atraktive Ecke entstehen wird", meint Evertz, "wir hoffen alle, dass das weitere Investoren anlockt."
   Der Bereich um die Wederstraße wurde vor genau fünf Jahren förmlich als Sanierungsgebiet festgelegt. Seitdem bemühen sich Bezirk und Senat, dem heruntergekommenen Grenzgebiet zwischen Alt- und Vorstadt ein neues Image zu verpassen: "Neubritz" klingt gut – und läßt sich offensichtlich auch vermarkten. "Ohne eigene Imagebildung wäre es praktisch chancenlos, im Sanierungszeitraum von zehn bis 15 Jahren auf Investoren zu hoffen, um die Potentiale des Neuordnungskonzeptes zu realisieren", meint Stadtentwickler Wend. Und tatsächlich: Bauherren für etwa 40.000 Quadratmeter Gewerbe-Geschossfläche, rund 460 Neubau-Wohnungen (fast alle ohne öffentliche Förderung) und 110 mögliche Dachausbauten wollen erst einmal gefunden sein.
   Um dies zu erreichen, haben die Stadtplaner des Bezirksamtes auch ein Expose herausgegeben, "Wohnungsneubäu am Carl-Wederpark – 10 gute Gründe", mit dem um Investoren geworben wird. Es verspricht spannend zu werden, wie der Bereich in zehn Jahren aussehen wird. my





6. März 2000

Ein Park über dem längsten Autotunnel der Stadt

Neu-Britz ist jahrzehntelang vernachlässigt worden /
Mit der Sanierung und der Autobahn soll es aufwärts gehen


VON TOBIAS ARBINGER
Wie ein Flussbett zieht sich die sandbedeckte Schneise mitten durch Neukölln. Lücken klaffen in den Häuserreihen am Rand. Auf der riesigen Freifläche parallel zur Wederstraße liegen braune Erdhaufen. Arbeiter pflastern einen Weg. Bis zum Herbst soll hier als Ausgleichsmaßnahme für den Autobahnbau der Carl-Weder-Park entstehen. Unter dem Park werden künftig täglich Tausende von Fahrzeugen hindurchrauschen. Hier liegt der längste Autobahntunnel der Stadt - die Verlängerung der A 100, die im Sommer eröffnet wird.
   Dutzende von Häusern, Gewerbebetrieben und zwei Kleingartenkolonien mussten für die Bauarbeiten weichen. In Zukunft, so hofft Stadtplaner Holger Schilling, wird der neue Park auf dem Tunneldeckel zum Mittelpunkt des Viertels werden. Die Lebensqualität werde durch den Grünzug deutlich verbessert, sagt Schilling, der für den Sanierungsbeauftragten, die Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft (BSG), im Einsatz ist.
   Der Teil von Neu-Britz zwischen Delbrück- und Jahnstraße, Britzer Damm und Buschkrugallee wurde 1995 zum Sanierungsgebiet erklärt. Die Renovierung von Häusern wird dort öffentlich gefördert, das Viertel soll anschließend grüner und wohnlicher werden.
   Die BSG vermittelt zwischen den an der Stadtsanierung Beteiligten, dem Senat, dem Bezirk, Mietern und Eigentümern. Vor allem Handwerker siedelten sich zum Ende des 19. Jahrhunderts in Neu-Britz an, einem Gebiet an der südlichen Gemeindegrenze von Rixdorf und im Norden von Britz. An der Silbersteinstraße ließen sich zum Beispiel etliche Tischler nieder, in der Wederstraße die Bäcker. Noch heute findet man an verschiedenen Stellen Spuren dieser Tradition. Das alte "Eisenwerk Franz Weeren" an der Glasower Straße, ein Backstein-Fabrik-Bau mit aufwendigen Glas-Oberlichtern, beherbergt heute eine Kegelbahn. Auf kleinen Gewerbehöfen arbeiten heute Gerüstbauer, Schlosser, Dachdecker und eine Druckerei. In vielen Hofdurchgängen sind noch die stahlbeschlagenen Spurrinnen für die Pferdefuhrwerke vorhanden.
   Teergeruch eines Dachpappefabrikanten liegt in einer der Kopfsteinpflasterstraßen in der Luft. Während im Süden des Viertels ein Durcheinander aus Einfamilien- und Mietshäusern, Garagen, Schuppen, Remisen und Gärten vorstädtisches Atmosphäre verbreitet, prägen nördlich der Wederstraße, im früheren Rixdorfer Teil, viergeschossige Gründerzeitgebäude ein städtisches Bild. Im Schatten des St. Eduard-Kirchturms liegt dort der bürgerliche Kranold-Platz, auf dem zwei Mal in der Woche Markt ist
   Neu-Britz sei "jahrzehntelang vernachlässigt" worden, sagt der leiter der Stadtplanungsabteilung Neuköllns, Wolfgang Borowski. Kein Wunder, Pläne entlang der Wederstraße eine Autobahn zu bauen, gibt es schon seit Jahrzehnten. Wer will da noch investieren. Nun, nachdem ein Teil des Kiezes zum Sanierungsgebiet wurde, ist eine "sozialorientierte Neuordnung" geplant.
   Den Vorstellungen der Stadtplaner zufolge soll der westliche Teil des Gebietes, um den neuen Carl-Weder-Park herum, als Wohngebiet ausgebaut werden. Nördlich der Wederstraße ist seit 1994 ein neuer Mietwohnungsbau geplant. Nach Schwierigkeiten mit einem Investmentfonds wird derzeit mit neuen Investoren verhandelt. Südlich des Tunneldeckels sollen auf acht Parzellen Stadtvillen gebaut werden. Die Entwürfe von fünf Architekturbüros, die im Rahmen eines Gutachterverfahren vom Bezirk in Auftrag gegeben wurden, werden zurzeit ausgestellt.
   Gewerbe soll nach den Vorgaben des Sanierungsplans in Zukunft im Osten, verkehrsgünstig an der Autobahnausfahrt Buschkrugallee, angesiedelt werden. Die BSG erkundet derzeit, wie hoch das Interesse der ortsansässigen Unternehmer an diesem Gewerbegebiet ist. Vor kurzem wurde auf den Neuköllner Handwerkstagen nach möglichen Mietern von Außerhalb Ausschau gehalten. Demnächst werden Fachleute auf einem Symposium ein Konzept für das Zentrum erörtern.
   Bei der Stadtsanierung geht es auch darum, das Viertel besser mit sozialen Einrichtungen auszustatten. Unter den Bewohnern gibt es beispielsweise überdurchschnittlich viele Kinder. Langfristig geplant ist unter anderem der Bau einer neuen Kita an der Bendastraße. Die Zürich-Grundschule soll mehr Platz bekommen - zur Toilette müssen die Kinder heute noch über den Hof.
   Weiter gediehen ist ein Schulgarten-Projekt, das mit der Hilfe von ABM-Kräften an der Jahn-, Ecke Rungiusstraße auf einer ungepflegten Grünfläche neben einem alten Bunker entstehen soll. Der Bezirk verhandelt derweil zudem über den Kauf eines alten Speditionsgebäudes in der Glasower Straße, dort soll ein Jugendzentrum aufgemacht werden.



Briefmarken statt Eisscheiben


Viel ist nicht mehr übrig vom Unternehmen seiner Vorfahren. Nur noch ein alter Eisschrank im Keller, drei geräumige Garagen hinterm Haus, ein paar Schwarz-Weiß-Fotos und ein verbeultes Schild sind geblieben von Poranskes Kristalleis-Handel. Lothar Poranske, 57, sitzt im gutbürgerlichen Arbeitszimmer des von seinem Vater und seiner Großmutter erbauten Einfamilienhauses in der Neu-Britzer Jahnstraße und erinnert sich.
   In den Jahren nach dem Krieg, als es in den Privathaushalten noch kaum Kühlschränke gab, hatten die Eisverkäufer noch ein Auskommen. Poranskes bekamen ihre Ware aus der Eisfabrik in der Trebbiner Straße in Kreuzberg, heute ist dort das Museum für Verkehr und Technik. Haushalte, Fleischereien und Kneipen in Kreuzberg und Neukölln wurden mit viertel, halben oder ganzen Eisstangen, die Fischhändler mit Krümeleis beliefert. Bis zu drei Fahrer waren für die Firma mit weißen Tempo-Wagen, motorisierten Dreirädern, unterwegs. Besonders im Sommer brummte das Geschäft. Da sei auch sonnabends und sonntags geliefert worden, sagt Lothar Poranske. Schon Großvater Max machte in Eis. Poranske zeigt eine alte Aufnahme mit einer Pferdekutsche. Als er im Ersten Weltkrieg starb, führte die Großmutter das Geschäft weiter. Bis ins Alter von über 80 Jahren sei sie mit auf den Touren gewesen, erzählt ihr Enkel.
   1935 kaufte die Familie das Grundstück an der Jahnstraße. Eine Fischräucherei und eine Spedition lagen in der Nachbarschaft. Die Frau, die Poranskes Vater Willy heiratete, stammte ebenfalls aus der Branche. Folglich auch die Tanten und Onkel. Lothar Poranske verdiente sich als Kind mit der Auslieferung ein Taschengeld. Scheiben zu 30 Pfennig verkaufte er - die einen halben Zentner schweren Eisstangen waren zu schwer für ihn. Viele Kinder gab es damals in der Jahnstraße, außerdem kaum Autos und weniger Zäune. "Man konnte sich austoben", erinnert sich Poranske. Damals hätten sich die Leute auch noch gekannt in der Gegend. Sie sei viel mehr ein Kiez gewesen als heute. "Das Leben war nicht so hektisch."
   Nicht der Siegeszug der Kühlschränke war für seine Mutter der Grund, das Geschäft 1958 zu verkaufen, sondern die harte Arbeit, sagt Poranske. Der Vater war 1953 gestorben. Lothar ging zur Post. Auf 42 Dienstjahre blickt der Spross des Stangeneis-Clans zurück. tob



Land auf der Britzer Heide gekauft

Das im Volksmund Neu-Britz genannte Viertel enstand ab 1871 auf der Britzer Heide, an der nördlichen Gemeindegrenze von Britz. Von dem Sozialisten Robert Owen inspiriert, kaufte der Buchbindermeister Carl Weder Land. Er parzellierte es, ließ Straßen anlegen und verkaufte die Parzellen zu erschwinglichen Preisen. Zu diesem Zweck gründete Weder einen "Bauverein der Beamten und Handwerkermeister". Anfangs hatte der Ortsteil noch dörflichen Charakter, bald wuchs er mit dem stark expandierende Rixdorf zusammen. Der Bau einer Autobahn entlang der Wederstraße war schon in den Verkehrsplanungen der 30er Jahre vorgesehen. 1976 scheiterte das Vorhaben am Widerstand einer Bürgerinitiative. Auch gegen den letzten Anlauf gingen Anwohner vor Gericht. Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss wurde 1995 abgewiesen. Im Sommer soll der 1,7 Kilometer lange Autobahntunnel, der zum Teil unter der Wederstraße verläuft, eröffnet werden. tob





2. März 2000

Eigentumswohnungen an der Wederstraße

re Neukölln - Leerstehende Häuser, verwilderte.Vorgärten - die Südseite der Wederstraße schien von den Stadtplanern vergessen worden zu sein. Die Nordseite fiel dem Bau der Autobahn A 100 zum Opfer. Bauarbeiter legen zur Zeit dort, wo einmal Häuser standen, den Carl-Weder-Park über dem Autobahntunnel an.
   Jetzt hofft das Bezirksamt Investoren zu finden, die auf der Südseite der Straße, entlang der Grundstücke Wederstraße 65-81, Eigentumswohnungen errichten. Die Lage im Grünen nahe der Innenstadt sei ideal für potenzielle Käufer von Eigentumswohnungen. Um Investoren zu gewinnen, geht Bürgermeister Bodo Manegold (CDU) einen ungewöhnlichen Weg. Von fünf Architekturbüros ließ er Entwürfe für die zukünftige Bebauung anfertigen. Sie sind bis zum 12. März an der Karl-MarxStraße 272 zu besichtigen.
   Sämtliche Vorschläge sehen eine geschlossene Blockrandbebauung mit mehrgeschossigen Häusern und begrünten Innenhöfen vor: "Die ersten Baumaßnahmen könnten Ende des Jahres beginnen", schätzt Horst Evertz, Sanierungsbeauftragter des Landes Berlin. Gewerbetreibende an der Wederstraße befürchten jedoch, bei einem Neubau die steigenden Mieten oder Pachtpreise nicht mehr zahlen zu können.





2. März 2000

Entwürfe sind da, aber die Investoren fehlen

An der Wederstraße soll Wohneigentum entstehen

VON CHRISTIAN BRUNS
Im Sanierungsgebiet Wederstraße sollen so schnell wie möglich neue Wohnungen entstehen. Bürgermeister Bodo Manegold eröffnete am Mittwoch eine Ausstellung mit den Ergebnissen eines vom Bezirk ausgelobten Gutachterverfahrens. Fünf Architekturbüros präsentieren ihre Ideen für die künftige Bebauung des Areals an dem gerade entstehenden Carl-Weder-Park. Die Vorschläge reichen vom klassischen Reihenhaus mit Einliegerwohnung über Mehrgeschoss-Wohnungen bis hin zum Terrassenhaus und zur Stadtvilla.
   Ob allerdings einer der Entwürfe jemals auch nur in Teilen verwirklicht wird, ist ungewiss. Fest steht lediglich, dass in dem Planungsgebiet ausschließlich Eigentumswohnungen entstehen sollen. Acht Grundstücke sind zur Bebauung vorgesehen, maximal 65 Wohnungen - vom Zwei-Zimmer-Apartment bis zur Fünf-Zimmer Wohnung - könnten entstehen. Meist haben sich die Architekten in den Entwürfen für viergeschossige Bauten entschieden.
   Zweck der Präsentation ist es, potenzielle Investoren anzulocken, die sich bislang wenig für die insgesamt acht zusammenhängenden Grundstücke in der Nähe der unterirdisch verlaufenden Autobahn interessieren. Dabei gibt es in Neubritz nach Einschätzung Manegolds durchaus einen Bedarf an Eigentumswohnungen. Das hätten Projekte in ähnlich strukturierten Gegenden gezeigt. Die Lage sei zudem durch die unmittelbare Nähe zum Carl-Weder-Park "ausgesprochen attraktiv" für Menschen, die sich in schöner Umgebung: den Wunsch von den eigenen vier Wänden erfüllen wollten.

"Am Bedarf vorbei"

Die Grünen im Bezirk sind da skeptischer. Für sie geht das Projekt am Bedarf vorbei: "Wer sich Wohneigentum kaufen möchte, der zieht erfahrungsgemäß lieber an den Stadtrand als in City-Nähe", sagte die Grünen-Vertreterin Marlies Fuhrmann gestern. Die direkt an der neuen Siedlung vorbeiführende Autobahn schränke den Erholungswert außerdem ein. Zumal bislang niemand wisse, wie der nahe Park zukünftig aussehen wird. Erst im Herbst ist der erste Spatenstich erfolgt, im Frühjahr 2001 sollen die ersten Bäume gepflanzt werden.
   Die Bündnis-Grünen hätten in der Wederstraße lieber gesehen, dass alte Strukturen wieder aufleben. Vor dem Autobahnbau waren in der Straße Läden und kleinere Handwerksbetriebe zu finden.
   Ungelöst - und möglicherweise Investoren abschreckend - ist zudem die Tatsache, dass derzeit noch Mieter in den Häusern im Sanierungsgebiet wohnen. Ob sie die ihnen angebotenen Umsetzwohnungen akzeptieren werden, ist ungewiss.





2. März 2000

Baukasten-Häuschen am Carl-Weder-Park

Architektur-Gutachten für Neuköllner Viertel vorgestellt

Neukölln. Schmale Reihenhäuschen, Stadtvillen oder Anbauhäuser, die man baukastenartig erweitern kann, sollen künftig eine Brachfläche an der Wederstraße aufleben lassen. Das Bezirksamt stellte gestern die Ergebnisse eines Gutachterverfahrens vor, das der Bezirk für die Bebauung im Sanierungsgebiet Neu-Britz ausgeschrieben hatte. Nun sucht es private Bauherren, die die Entwürfe Realität werden lassen. Die Eigentümer der Parzellen sind nach Angaben des Bezirksamts verkaufsbereit. Direkt vor dem Baugebiet liegt der neue Tunnel der Stadtautobahn Richtung Osten. Auf der Tunneldecke wird bis zum Herbst der neue Carl-Weder-Park eröffnet.
   Blockrandbebauung, vier Geschosse und Nebenräume auf den der Straße abgewandten Höfen gehörten zu den Vorgaben des Verfahrens, an dem sich fünf Büros beteiligten. Äußerlich soll mit den Wohnhäusern an die Architektur der Wirtschafts- und Gewerbebauten in dem Kiez angeknüpft werden. Das Büro Maedebach, Redeleit und Partner schlägt beispielsweise vor, Reihenhäuser mit variablen Durchgängen zu errichten, so dass die Wohneinheiten als "Mehrgenerationenhaus" genutzt werden können. Den Architekten des Büros Linie Fünf schwebt ein Anbauhaus vor, das je nach Nutzung um Dachaufbauten, Anbauten und Gartengebäude erweitert werden könnte. tob
 
SEITENANFANG