Zur Herkunft der Straßennamen
Der Wandel innerhalb von 50 Jahren, der beim Vergleich der Bilder deutlich wird, ist bemerkenswert. Einzig der Giebel der Methodisten-Kirche und das Straßenraster mit den Straßenschildern ermöglichen das Wiedererkennen. Die Redaktion würde gerne mehr Historisches aus Neubritz abbilden, nur sind leider kaum alte Bilder bei öffentlichen Stellen vorhanden. Sollten Sie Fotos von Straßen, Häusern oder Details älteren Datums haben, so würden wir uns freuen, wenn wir sie archivieren und gegebenenfalls in "leben in Neubritz" veröffentlichen könnten. Einige Informationen zur historischen Entwicklung des Stadtteils geben aber auch die Straßenbenennungen.
Die Delbrückstraße erhielt bereits 1890 ihren Namen nach dem Präsidenten des Reichskanzleramts unter Otto von Bismarck, Rudolf Delbrück (1817– 1903), also noch zu seinen Lebzeiten. Rudolf Delbrück entstammt aus einer berühmten preußisch-evangelischen Familie, die zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Hierzu zählen insbesondere der Biophysiker und Nobelpreisträger Max Delbrück (1906–1981), der Historiker und Politiker Hans Delbrück (1848– 1929) oder der Gründer der Deutschen Bank Adelbert Delbrück (1822–1890).
 | |  | | Delbrückstraße zwischen Bendastraße und Bruno-Bauer-Straße 1956 und heute |
Die Benennung der Bruno-Bauer-Straße im Jahr 1897 geht auf den Philosophen, Bibelkritiker und Schriftsteller Bruno Bauer (1809–1882) zurück, der 15 Jahre zuvor in Rixdorf verstorben war. Nach bewegten Jahren zur Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem ihm die Lehrerlaubnis entzogen wurde und die Revolution von 1848 gescheitert war, hatte sich Bruno Bauer auf ein kleines Bauerngut in der Knesebeckstraße, heute Silbersteinstraße, zurückgezogen. Der sogenannte Einsiedler von Rixdorf blieb bis zu seinem Tod aber aktiv und veröffentlichte zahlreiche Schriften und Zeitungen.
Die Familie Benda ist eine aus Böhmen stammende Musikerfamilie, die in vielen Generationen bekannte Komponisten und Instrumentalisten hervorgebracht hat. Die Bendastraße, die erst 1928 ihren Namen erhielt, bezieht sich aber auf einen weniger musikalischen Spross der Familie, Robert v. Benda, der eher als liberaler Parlamentarier und Kritiker Bismarcks aufgefallen war. Er erwarb 1853 das Gut in Rudow und saß seit 1858 im preußischen Landtag und in den Jahren 1867 bis 1898 im Reichstag. Trotz seiner Gesinnung besuchte ihn Kaiser Wilhelm II. regelmäßig und schätzte die Stunden im Rudower Familienkreis. |