NEUBRITZ - HOME

SANIERUNGSGEBIET
WEDERSTRASSE     
       

PROJEKTE                   

AKTEURE UND         
ANSPRECHPARTNER 

A R C H I V                
SANIERUNGSZEITUNG 
leben in Neubritz 1      
Aus dem Rathaus            
Von Neu-Britz                  
nach Neubritz                  

Gemischte Gefühle          
Stimmen zum Park          
Vom Stadtplatz zum        
Garten der Ruhe              

Die Bollock Brothers        
Für die Natur begeistern  
Anwohner und Planer      
am grünen Tisch             

Betroffenenvertretung      
Kiezgeschichten: Brenn-
holz für Kartoffelschalen  

Glosse                       
BROSCHÜREN            
P R E S S E                   
INFO-MAPPE              

AKTUELLES / SUCHE

KONTAKT                  
IMPRESSUM            


  Neukölln       
          

Gemischte

Pflege des

 Gefühle

 neuen Grünzugs wirft auch Fragen auf

Mit der Fortführung der Bundesautobahn BAB 100 erfährt ein Bereich Neuköllns, der bisher mit wohnungsnahen Grünflächen stark unterversorgt ist, einen erheblichen Zuwachs an öffentlichen Grünflächen und damit eine schlagartige Verbesserung der Versorgungssituation. Wie ist diese überraschende Feststellung zu erklären.

Das Bundesverkehrsministerium ist gesetzlich verpflichtet, die Auswirkungen der BAB 100, wie z.B. den Verlust von Freiflächen und Vegetation, durch neue Grünflächen auszugleichen. Die Planfeststellung für den 14. Bauabschnitt der BAB 100 wurde deshalb mit der Bedingung verknüpft, auf dem 1,713 km langen Autobahntunnel einen öffentlichen Park anzulegen. Die Verantwortung für Planung und Bau des neuen Grünzugs liegt beim zuständigen Bundesministerium, das in Berlin durch die Senatsverwaltungen für Bauen, Wohnen und Verkehr bzw. für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie vertreten wird.

Aufgrund eigener personeller Engpässe entschloß sich die Senatsverwaltung Anfang 1999, das renommierte Landschaftsplanungsbüro Seebauer, Wefers & Partner mit der Ausführungsplanung zu beauftragen. Unter Berücksichtigung des Landschaftspflegerischen Begleitplans LBP, weiterer fortführender Teilplanungen sowie der in den Werkstattgesprächen erörterten Bürgerwünsche sollen innerhalb kürzester Zeit detaillierte Ausführungsplanungen für eine Baumaßnahme von immerhin 8,8 Mio. DM in Abstimmung mit allen betroffenen Stellen vorgelegt werden. Dies stellt die Planer vor Aufgaben, die nur mit erheblichen Anstrengungen bewältigt werden können.

Das derzeit an der Rungiusstraße im Bau befindliche Lüfterbauwerk am Tunnelmund markiert das östliche Ende des Grünzugs, der auf Neuköllner Seite von der Bezirksgrenze bis zur Rungiusstraße auf insgesamt rund 6 ha Fläche ein sehr differenziertes Freiflächenangebot für unterschiedliche Nutzergruppen bereitstellt. Dadurch erfahren insbesondere die im Sanierungsgebiet Wederstraße an den Grünzug angrenzenden oder in dessen Einzugsbereich liegenden Wohnviertel eine erhebliche Aufwertung und Verbesserung der Wohnqualität.
Nach der Fertigstellung übernimmt der Bund für einen Übergangszeitraum von zwei Jahren die Pflege der neuen Grünanlage. Danach soll sie voraussichtlich in die Unterhaltung der zuständigen bezirklichen Stellen übergeben werden. In Neukölln ist dann der Fachbereich Naturschutz und Grünflächen zuständig.
Dadurch entsteht ein erheblicher Zuwachs an Flächen, die durch den Fachbereich Naturschutz und Grünflächen zu pflegen und instandzuhalten sind. Auch wenn dafür ein finanzieller Ausgleich vorgesehen ist, erwachsen hieraus in Anbetracht der allgemeinen Sparzwänge erhebliche Probleme. Die aus der angespannten Haushaltssituation resultierenden Einschnitte im Personal- und Sachmittelbereich wirken sich naturgemäß auf die Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen in den Grünanlagen aus und erfordern das Beschreiten neuer Wege um die anfallenden Arbeiten noch bewältigen zu können.

Organisatorische Veränderung mit einer Zusammenfassung und Neuordnung personeller Strukturen ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Die grundsätzliche Entscheidung, das ehemalige Naturschutz- und Grünflächenamt mit dem Tiefbauamt im Rahmen eines gemeinsamen Leistungs- und Verantwortungszentrums (LuV) zusammenzulegen, die Neugliederung der Pflegereviere oder die Einrichtung einer auf die speziellen Belange der Spielplatzunterhaltung zugeschnittenen Arbeitsgruppe sind solche Maßnahmen. Hinzu kommt eine an betriebswirtschaftlichen Kriterien orientierte Kosten- und Leistungsrechnung, durch die Arbeitsabläufe effektiviert und gestrafft sowie anfallende Kosten gesenkt werden sollen.

Dennoch läßt sich nicht vermeiden, daß die Arbeitsbelastung der Kollegen ständig zunimmt, während gleichzeitig notwendige Arbeiten zurückgestellt werden müssen, um zumindest die Verkehrssicherheit in den öffentlichen Grünanlagen gewährleisten zu können. Als Beispiel sei hier nur die jährliche Sommerblumenbepflanzung genannt, die früher an vielen Stellen zur Belebung des Neuköllner Stadtbildes beigetragen hat, aber unter den derzeitigen Bedingungen zurückstehen muß.

Vor diesem Hintergrund ist die Reduzierung des späteren Pflege- und Unterhaltungsaufwands auch für die Ausführungsplanung des Tunnelgrünzugs ein wichtiger Prüfstein. Wesentliche Voraussetzungen hierfür sind u.a. die Installation einer automatischen Bewässerungsanlage und ein effektiver Maschineneinsatz. Diskutiert werden muß, ob z.B. die Gestaltung der Rasenflächen die Arbeit mit Großflächenmähern zuläßt, oder auch, ob das Wegenetz selbst bei schlechtem Wetter ohne aufwendige Instandsetzungsarbeiten nutzbar bleibt. Bei der Auswahl der Pflanzen sollte darauf geachtet werden, daß sie keiner intensiven Pflege bedürfen. Insgesamt kann der spätere Pflegeaufwand jedoch nur bis zu einem bestimmten Grad begrenzt werden ohne grundsätzlich den Charakter einer innerstädtischen Parkanlage in Frage zu stellen.

Die Mitarbeiter des Fachbereiches Naturschutz und Grünflächen verbinden daher mit der Freude über den neu gewonnenen Erholungsraum die Hoffnung, daß dieser durch die zukünftigen Besucher nicht nur intensiv genutzt, sondern auch pfleglich behandelt wird und von Vandalismusschäden verschont bleibt.


Wieland Voskamp
Leiter des Leistungs- und
Verantwortungszentrums
Naturschutz, Straßen und Grünflächen

Seitenanfang