Eine Autobahn, das bedeutet für die Anwohner meist mehr Abgas- und Lärmbelästigung. Nicht so in Neubritz! Denn mit der Anlage eines Grünzugs auf dem Deckel des vorgesehenen Autobahntunnels ist die Autobahn als eine ökologische Variante anzusehen. Der 1,7 km lange Grünzug stellt den größten Grünflächenzuwachs in den nächsten Jahren für den Bezirk Neukölln dar. Übergeordnete Grünwegeverbindungen zum Britzer Garten, der Hasenheide, zwischen Stadtteilen und zum Teltowkanal schaffen eine Möglichkeit, abseits der stark befahrenen Hauptstraßen Neuköllns andere grüne Orte streßfrei zu erreichen. Für Neubritz bedeutet der Grünzug eine enorme Aufwertung des Wohnumfeldes. Derzeit noch bestehende Defizite in der Versorgung mit wohnungsnahen Grün- und Spielflächen können so gemildert werden.
Info-Abend Was lag für die Stadterneuerer daher näher, als diese Vorzüge den Bewohnern und Anwohnern von Neubritz auf einer Informationsveranstaltung im Mai 1998 näher zu bringen. So war es einerseits möglich, den durch die Bauarbeiten gestreßten Anwohnern eine "grüne Perspektive" zu zeigen, andererseits in diesem frühen Stadium der Planung Anregungen der Bürger zu berücksichtigen. Diese Beteiligung der Betroffenen führte zu einer bürgernahen Planung des Grünzugs.
Trotz inhaltlicher Vorarbeit lassen sich öffentliche Veranstaltungen nicht genau planen. Obwohl der Infoabend über das Sanierungsgebiet Wederstraße und die Gestaltung des Parks auf der Autobahn berichten sollte, bestimmten die Anwohner zunächst die Veranstaltung mit ihrem Thema - der Belastung durch den Autobahnbau. Eine Zeitung titelte nach dem gut besuchten Abend: "Autobahnbau erregt Unmut bei Bürgern". Es kam dann doch etwas verspätet zur Darstellung des Grünzugs, nachdem der Dampf endlich abgelassen war.
1. Werkstattgespräch Für den Bürger bot sich in den Werkstattgesprächen die seltene Gelegenheit, gleichberechtigt mit Fachleuten verschiedener Ressorts, über die eigenen Ideen und Anregungen zu diskutieren. In der ersten Runde glich die Veranstaltung aber eher einem "Brainstorming", einer Sammlung von Ideen, die zunächst nicht nur unter rechtlichen, finanziellen oder verwaltungstechnischen Gesichtspunkten betrachtet wurden. Die Vielfalt der vorgeschlagenen Möglichkeiten war imponierend.
Hier eine Auswahl: Wassertretbecken, Trinkwasserbrunnen, Obstgarten, Naturlehrpfad, Gastronomie Sommercafé, Fahrradstellplätze, Grillplätze, Jugendtreffpunkt, erweiterter Schulhof, Beleuchtung, Notrufsäulen, mehr Zugänge, Hinweisschilder Daneben führten die Werkstattgespräche aber auch die planenden Fachleute zusammen. Es entstand der Nebeneffekt des "kurzen Dienstweges", der schnelle Bearbeitung und Berücksichtigung ermöglicht. So konnten z.B. die Ausbaupläne zur Wiederherstellung der Wederstraße mit den Grünverbindungen abgestimmt werden oder die Zufahrt zur Kita in der Hermannstraße 135 unkompliziert angesprochen und geregelt werden.
 
2. Werkstattgespräch Bereits zwei Wochen nach dem 1. Werkstattgespräch konnten die Teilnehmer anhand der vorgestellten Pläne ("Vorentwürfe") überprüfen, wie eine Vielzahl ihrer Anregungen aufgenommen wurden. Nach eingehender rechtlicher Prüfung mußten allerdings auch einige Vorschläge als nicht durchführbar verworfen werden. So wird es in Grünanlagen keine Grillplätze geben. Die Aufstellung von Notrufsäulen durch die Polizei ist schon seit Jahren eingestellt worden, mit der Begründung, daß in Zukunft wohl jeder Besucher des Parks ein Handy haben wird, um damit um Hilfe zu bitten. Aus hygienischen Gründen sind Wassertretbecken nicht realisierbar, auch wenn deren gesundheitlicher Nutzen unbestritten ist.
Fazit Sowohl die Informationsveranstaltung als auch die Werkstattgespräche haben gezeigt, daß bei den Betroffenen wie auch bei den Fachplanern Bedarf und Nachfrage nach Information und Austausch besteht. Der Dialog im Kreis interessierter Bürger und Fachplaner brachte wertvolle Ergänzungen für die Planung. Man verabredete konkrete Aufgaben, die bis zur Ausführungsplanung von verschiedenen Stellen bereits erledigt wurden. Es wurde vereinbart, bei Vorlage der Ausführungsplanung ein drittes Werkstattgespräch abzuhalten. Desweiteren sollten auch jene, die nicht an den Gesprächen teilnehmen, über die Planung informiert werden.
Ausblick Konkrete Überlegungen gibt es bereits zur feierlichen Eröffnung des neuen Autobahnabschnitts und des Grünzugs. Für die umfangreiche Ausstattung der Spielplätze und die attraktive Möblierung des Grünzugs, aber auch für die durchgehende Beleuchtung, Trinkwasserbrunnen und eine verständliche Beschilderung wird eine ergänzende Finanzierung wohl nur über Sponsoren möglich sein. Auch über Baumpatenschaften durch Anwohner oder öffentliche wie private Einrichtungen wird nachgedacht, um die Identifikation mit dem Grünzug zu verstärken.
Unbestritten wird der Grünzug die Akzeptanz durch die Anwohner für die vorgesehenen Maßnahmen im Sanierungsgebiet erhöhen. Deshalb sollte jede Chance entsprechend genutzt werden, die den neuen Park zu "ihrem" Grün macht. Hinzu kommt die Möglichkeit, den Standort Neubritz über die regionalen Grenzen hinaus für dringend benötigte Investoren interessant zu machen. Bleibt als Resümee: Neubritz bietet bereits jetzt vieles für eine positive Zukunft. |