NEUBRITZ - HOME

SANIERUNGSGEBIET
WEDERSTRASSE     
       

PROJEKTE                   

AKTEURE UND         
ANSPRECHPARTNER 

A R C H I V                
SANIERUNGSZEITUNG
BROSCHÜREN            
Geschichte und          
Denkmale in Britz
        

Vorwort, Einführung       
Chronik Britz                     
Vor- und Frühgeschichte  
Denkmalliste mit Plan      
Ortsgeschichte Alt-Britz   
Denkmalensemble           
Stadtentwicklung Neu-Britz
Ideal-Siedlung               
Hufeisensiedlung          
Britzer Gärten               
Britzer Mühle                
Naturdenkmale – Pfuhle 
Neubritz – Autobahn     
und Gewerbehof           

Neubritz – Grünzug      
und Wohnungsbau       

Literaraturverzeichnis   
P R E S S E                   
INFO-MAPPE              

AKTUELLES / SUCHE

KONTAKT                  
IMPRESSUM            


  Neukölln       
H U F E I S E N S I E D L U N G
 


Mit dem Bau der Hufeisensiedlung wurde in Deutschland die Phase des Großsiedlungsbaus eingeleitet. Der damalige Stadtbaurat Martin Wagner war Anhänger des "Neuen Bauens" und wollte im Bauwesen industrielle Arbeitsmethoden durchsetzen. Zusammen mit Bruno Taut erstellte er die städtebauliche Planung, um die Realisierbarkeit und Überlegenheit des typisierenden Bauens und der Großproduktion zu demonstrieren.


Luftbild nach 1945. Von links nach rechts unten: Fritz-Reuter-Allee

Stadtbaurat Martin Wagner und Bruno Taut konzipierten die Großsiedlung "Fritz-Reuter-Stadt" in Anlehnung an das Gartenstadtkonzept. Ein Bebauungsplan wurde 1925 aufgestellt und sah als wesentliches Merkmal den "Grünen Ring" (Fritz-Reuter-Allee) in Nord-Süd Richtung vor, der das Gebiet in zwei Teile trennt. Für jedes dieser Teilstücke wurde eine Wohnungsbaugesellschaft mit der städtebaulichen Entwicklung beauftragt. Die Gehag errichtete im westlichen Bereich die "Hufeisensiedlung", östlich entstand die DeGeWo-Wohnanlage, Siedlung am "Eierteich".


Innenring mit Teich, 1927

Das städtebauliche Konzept sah eine dreigeschossige Bebauung entlang des Grünen Rings und zweigeschossige Einfamilienreihenhäuser in den Innenbereichen vor, wobei die meisten Erschließungsstraßen in Nord-Süd Richtung verlaufen.

Der Innenbereich des "Hufeisens" mit dem Teich bildet die dominierende Freifläche und verbindet den Bereich mit der Fritz-Reuter-Allee als zentralem Kommunikationsbereich mit Versorgungseinrichtungen.


"Rote Front" an der Fritz-Reuter-Allee

In der zwischen 1925 und 1933 in mehreren Bauphasen errichteten Siedlung lassen sich große architektonische Unterschiede beobachten. Bruno Taut baute für die Gehag im vom Bauhaus inspirierten Stil der "neuen Sachlichkeit" das bekannte Hufeisen und die Bebauung entlang der Fritz-Reuter-Allee und beschränkt sich bei den Einfamilienreihenhäuser auf eine einfache, sachliche Architektur. Im Gegensatz dazu orientierten sich die von der DeGeWo beauftragten Architekten Engelmann und Fangmeyer an der traditionellen Formensprache mit verspielten und romantisierenden Elementen. Hier werden die politischen und geistigen Gegensätze der Weimarer Republik auf engsten Raum im Städtebau deutlich.


Außenring Fritz-Reuter-Allee


Jochen-Nüssler-Straße 45 (Reihenhäuser 1932)

Im ersten Bauabschnitt wurde das "Hufeisen" als runder Zeilenbau errichtet, das das Zentrum der Hufeisensiedlung bildet. Hieran schließt auch die aufgrund der Farbgebung "Rote Front" genannte Bebauung an der Fritz-Reuter-Allee an, die Taut als Straßenrandbebauung ausführen ließ und mit ihrer massiven Fassade mit nur wenigen schmalen Lücken und turmartigen Treppenhäusern als "Schutzmauer" gegenüber der Architektur von Engelmann und Fangmeyer wirkt. Die bewusste Konfrontation sollte aufzeigen, dass es sich bei typisierendem Wohnungsbau nicht um zweitklassige Architektur handelte.


Dörläuchtingstraße, 1934

Den nördlichen und südlichen Abschluss der Siedlung bilden wiederum dreigeschossige Zeilenbauten, wobei die nördliche Zeile von Martin Wagner entworfen wurde. Der übrige Bereich zwischen den Zeilen ist mit zweigeschossigen Einfamilienreihenhäusern bebaut. Der Straßenraum wird im Innenbereich durch Verschwenkung und Knicke der Straßen aufgelockert, durch die Vor- und Rücksprünge der Hausfronten und durch gezielte Lückenbildung abwechslungsreich gestaltet. Es entsteht so eine differenzierte Raumabfolge, trotz nur zwei verschiedener Haustypen: ein fünf Meter breites und ein sechs Meter breites Gebäude, beide mit gleicher Architektursprache. Die Raumkonzeption wird durch ein abgestimmtes Farbkonzept noch unterstrichen.

Die Gartenstadtidee ist hier noch deutlich ablesbar: durch den Reihenhaustypus mit Garten, den Mietergärten der Zeilenbauten und der differenzierten Raumabfolge. Bruno Taut löste sich aber durch den Verzicht auf die traditionelle Formensprache von der romantischen Idylle anderer Gartenstädte. Der Übergang von der Gartenstadt der Jahrhundertwende zum Stil der "Neuen Sachlichkeit" ist an der Hufeisensiedlung deutlich ablesbar. Ferner steht die Siedlung in der Tradition des sozialreformerischen Wohnungsbaus, der gerade in der Weimarer Republik seinen gesellschaftlichen Ausdruck in Städtebau und Architektur wiederfand.


Lowise-Reuter-Ring 1932

An die Hufeisensiedlung anschließend wurden in weiteren Bauabschnitten nach den Plänen von Bruno Taut östlich der Buschkrugallee (1928/1929) und südlich der Parchimer Allee (1930/1931) weitere Siedlungsteile verwirklicht. Die stark proportionierten kubischen Baukörper weisen den Weg von der Gartenstadt zur städtischen Architektur.

Um die städtebaulichen Qualitäten der Siedlung zu sichern, wurden zahlreiche denkmalpflegerische Aktivitäten ausgeführt: denkmalgerechte Instandsetzung und Erhalt der originalen Fenster und Türen sowie die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbigkeit. Die Hufeisensiedlung ist deshalb nicht nur in der Denkmalliste Berlin eingetragen, sondern auch zur Eintragung als Weltkulturerbe der UNESCO vorgesehen.