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Chronik der Rittergutsbesitzer

Nach einer wechselvollen Geschichte von mehr als sechs Jahrhunderten konnte das historische Erscheinungsbild des Gutsensembles bewahrt werden. Innerhalb von drei Jahren instandgesetzt, restauriert und wieder möbliert ist Schloss Britz und der Park seit 1988 der Öffentlichkeit zugänglich. Das Ensemble neben der Dorfkirche, dem Pfarrhaus, der Dorfschule und der traditionellen Schänke, dem Herrenhaus mit Lustgarten, dem Gutshof mit Ställen, Uhrenturm und Schornstein der 1961 abgerissenen dampfbetriebenen Brennerei, vermittelt heute noch einen eindrucksvollen Gesamteindruck.


Schloss Britz, von Westen, um 1890 kolorierter Stich

Die 1375 im Landbuch der Mark Brandenburg von Kaiser Karl IV. erwähnte Adelsfamilie Britzik, später Britzke genannt, war seit dem frühen Mittelalter in Britz ansässig und im Besitz eines Adelshofes, der sich auf einer Halbinsel in unmittelbarer Nachbarschaft zur Dorfkirche befand. Im frühen 16. Jahrhundert ist an der Stelle des heutigen Schloss' Britz ein weiterer Gutshof nachweisbar, auf dessen Fundamenten, nach einem Brand 1542, ein Fachwerkgebäude errichtet wurde. Bedingt durch die verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs – die Britzkes verloren nach und nach ihre Ländereien – gelangten große Anteile des Gutes an andere Eigentümer.

Im 18. Jahrhundert war Schloss Britz fast ununterbrochen im Familienbesitz hoher preußischer Staatsbeamter. 1706 ließ Sigismund von Erlach (1671-1722) das alte Fachwerkgebäude durch ein standesgemäßes 9-achsiges und 2-geschossiges Steinhaus ersetzen.


Gutsbesitzer Sigismund von Erlach mit Familie,
Gemälde von Antoine Pesne (1683-1757)

Etats- und Kriegsminister Ewald Friedrich Graf von Hertzberg (1725-1795) erwarb 1753 das Gut und brachte es in kurzer Zeit zu größter Blüte. Als Kurator der Akademie der Wissenschaften setzte er sich für die Berliner Aufklärung ein. Bereits 1770 hatte er seinen Mitstreiter Christian Bernhardt Rode mit der Ausschmückung des Gutshauses, das ab 1764 um 2 Achsen erweitert wurde, beauftragt. Rodes Entwürfe zu den Malereien (mythologische Szenen und Themen, die sich auf die "aufgeklärte" Landwirtschaft in Britz beziehen) sind größtenteils im Berliner Kupferstichkabinett erhalten, außerdem noch zwei gemalte Supraporten mit der Darstellung des Kaisers und der Kaiserin von China (heute Neue Gemäldegalerie am Kulturforum).

Nach der tiefgreifenden Stein-Hardenberg'schen Reform von 1807/11 gelangte das Rittergut in den Besitz bürgerlicher Familien: 1824 erwarb es der Seidenhändler Johann Carl Jouanne (1800-1857). Er überformte und erweiterte das Herrenhaus, den Park und die Dorfkirche im Geschmack der Zeit, wobei wertvolle historische Substanz für immer zerstört wurde.


Verwaltungsgebäude Gutshof

1865 wurde das Rittergut an den Spiritus-Fabrikanten und Bankdirektor der Branntweinhandelsgesellschaft Wilhelm August Julius Wrede (1822-1895) verkauft. Wrede ließ ab 1883 das Herrenhaus nach den Entwürfen von Carl Busse (1834-1896) erweitern und umbauen. Seeseitig erhielt das Haus u.a. ein neues Mittelportal. Parkseitig entstand ein asymmetrisch gesetzter Treppenhausturm sowie ein Badanbau. Auf dem Gutsgelände errichtete er eine moderne Brennerei und neue Stallungen. Seit 1924 ist Schloss Britz im Besitz der Stadt Berlin. Nach 1945 wurde Schloss Britz bis 1985 als Kinderheim genutzt, 1971 unter Denkmalschutz gestellt, 1985-1988 im Auftrag vom Land Berlin in der heutigen Form wiederhergestellt und seitdem für vielfältige kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen, Konzerte und Lesungen genutzt.

Entwicklung des Gutsgartens


Schloss Britz, Parkseite

Die Anfänge des Gutsgartens Britz werden um 1690 vermutet. Das Gutshaus war zu dieser Zeit noch von einem Wassergraben umgeben, der um 1705 durch den Hofmarschall von Erlach zugeschüttet wurde, da dieser einen direkten Zugang vom Haus in den Park wünschte. Er und die nachfolgenden Gutsbesitzer schufen durch Einebnung und Aufschüttung einen typisch barocken Nutz- und Lustgarten der Mark nach holländischem Vorbild mit gradlinigen Sichtachsen, hintereinandergereihten Obstquartieren und einem Boskett im hinteren Teil des Gartens, den eine wellenförmige Hecke vom übrigen Garten trennte. Sowohl von Ilgen als auch von Hertzberg führten bedeutende Neuerungen, u. a. den Seidenbau in der Landwirtschaft ein.


Schweitzerhaus, Gutshof Britz

Um 1840 wurde der Garten von Jouanne unter Beibehaltung der Mittelallee zur heutigen Fulhamer Allee hin erweitert und landschaftlich überformt. Ab 1890 ließ Wrede den Garten durch den Garteninspektor Wilhelm Nahlop mit vielen zeittypischen Elementen der Gartenkunst der Jahrhundertwende, wie kurvig geführte Wege, einer Vielzahl von exotischen Topfpflanzen, einem Brunnen am Beginn und einem Pavillon am Ende der Mittelallee ausstatten.


Schlossgarten

In dem 1930-45 der Öffentlichkeit zugänglichen Park wurden erhebliche Veränderungen, insbesondere eine Vereinfachung des Wegenetzes, vorgenommen. 1985/88 wurde der nunmehr 1,8 ha große Gutspark nach gartendenkmalpflegerischen Maßnahmen wieder hergestellt. Die von Rudolf Siemering für die kaiserliche Siegesallee geschaffene Büste des Ministers Rüdiger von ilgen wurde nach 1985 als ergänzte Kopie im Gutspark aufgestellt. Am B. Mai 1990 wurde der Gutsgarten unter Denkmalschutz gestellt. 1997 erhielt der Gutspark den Gustav-Meyer-Preis. 1998, anläßlich der 10-jährigen Partnerschaft zwischen dem Staatl. Museum Zarskoje Selo, St. Petersburg (ehemalige Sommerresidenz der Zaren) und der Kulturstiftung Schloss Britz wurde im Gutspark ein Bronzeabguss des 1816 von Pawel Sokolow für den Park von Zarskoje Selo modellierten Milchmädchens als Brunnenfigur aufgestellt. Ein weiterer Abguss der Figur steht seit 1989 im Park von Schloss Glienecke.


Schloss Britz: Inneneinrichtung, heute

Ein Blick auf die Dorfkirche
von Pfarrer Dieter Besier

Vor 625 Jahren stand die kleine Dorfkirche in Britz auch schon auf der Anhöhe über dem Teich: ein äußeres und inneres Symbol der Mitte. Die kleine Dorfkirche erinnert uns an die überlieferten Werte, die unserem Leben einen Sinn, Festigkeit und Schönheit verleihen. So wie es die Münze des Mädchens erahnen lässt, die beim Bau des Gemeindehauses 1967 als Zeugnis christlicher Germanen des 6. Jahrhunderts gefunden wurde.


Kirche und Pfarrhaus in Britz, 1930


Als im Landbuch Kaiser Karls IV. "Briczik" erwähnt wurde, war unsere Dorfkirche schon über 100 Jahre baulich gewachsen, so wie es bei romanischen Kirchen der Stil war. Der nächste große geschichtliche Moment war die Reformation. Britz gehörte schon früh (im April 1539) in Brandenburg zu den Orten dieses geistigen Aufbruchs.

Kirchenschätze wurden in die Dorfkirche gebracht, Zeichen der Dankbarkeit. Unsere Kirchenschätze haben wir nun in einer Glasvitrine ausgestellt: die Taufschale aus dem 15. Jahrhundert und das ähnlich alte Brotgefäß (Ciborium) fürs Abendmahl, den Kelch von 1720 und manch anderes Schöne. Die Sakristei, einst als Gruft geplant, wurde in dieser Epoche gebaut (1766). Aus 1720 stammt der barocke Kanzelaltar, der uns nicht nur zeigt, wie das verkündigende Wort und die Anbetung zusammengehören. Der Altar erinnert auch an die religiöse Verwurzelung der preußischen Minister aus Britz: Ilgen beim Soldatenkönig und Hertzberg bei Friedrich dem Großen. Die Impulse dieser Britzer Schlossherren, zugleich auch Patronatsherren der Dorfkirche, entstanden aus ihrer Frömmigkeit: die Befreiung der Bauern von der Leibeigenschaft und die wirtschaftliche Modernisierung. In diesen Jahrhunderten reichten die Gemeindegrenzen vom Halleschen Tor bis ins Teltower Land, so war die kleine Dorfkirche Mitte des späteren Neuköllns.


Pfarrhaus, 1915

Im 19. Jahrhundert gab es einen ähnlichen Impuls der sozialen Verantwortung für Menschen in Britz. Die Kirchengemeinde stellte sich dem Wandel zum Industriezeitalter und seinen Nöten mit der Einrichtung einer Armen- und Krankenpflege. Zu den bedeutenden Pfarrern der Dorfkirche gehörten Ringeltaube, der ein Pfarrbuch über das Britzer Leben (1823) schrieb und Rungius, der 1888 für einen großen Umbau und eine stilvolle Erneuerung der Dorfkirche sorgte.In der Zeit des Widerstandes zwischen 1933 und 1945 gibt es verborgene Spuren tapferer Christen, deren Wirken noch ans Licht gebracht und als Vorbild aufgenommen werden sollte. Dazu gehören die Namen Rackwitz und Piechowski, beide Pfarrer. Auch ein Zeichen vielleicht: am 29.12.1943 brannte der Turm bei einem Bombenangriff aus, die alte Marienglocke von 1268 wurde zerstört. Aber die Menschen in Britz packten zu, um zu helfen und wiederaufzubauen. 1955 wurde die Dorfkirchengemeinde aufgeteilt. Heute, in einer weniger üppigen Zeit, konnten wir uns dank vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter leisten, den Altar zu restaurieren und eine neue SchukeOrgel in die Kirche einzubauen. Die alte Dorfkirche, (34m lang, 11 m breit) mag einen verträumten Dialog mit dem Schloss halten oder wirklich mit ihm durch einen unterirdischen Gang verbunden sein, aber sie steht mit ihrer Gemeinde mitten im Leben von Britz.

Pfarrhaus


Pfarrhaus mit Vorgarten, Backbergstraße 38

1827 ließ Jouanne ein neues Pfarrhaus durch den Baumeister Friedrich Wilhelm Langerhans errichten. Das heutige Pfarrhaus Britz wurde 1864 anstelle des strohgedeckten Vorgängerbaus auf einem historischen Kellergewölbe, das vermutlich aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stammt, errichtet. Seinen heutigen Zustand erlangte das Pfarrhaus 1911 durch Umbaumaßnahmen auf Grundlage von Plänen der Architekten R. und H. Iwan. Das siebenachsige massive Gebäude erhielt durch Grundrissveränderungen große Räume für Empfänge und mehrere Gästezimmer. Zu dieser Zeit erhielt das Haus auch den Zugang an der nordöstlichen Giebelseite, derWintergarten mit Altan wurde als mittiger Vorbau angelegt und das Dach mit einem Erker versehen. Durch die zahlreichen geometrischen Dekorationen und Gesimse ist die Fassade der Form nach dem klassischen Berliner Jugendstil zuzuordnen. Durch den villenartigen Charakter, den der Bau erhielt, ist die damals verbreitete Tendenz zu erkennen, ländliche Bauten der städtischen Architektur anzugleichen.

Backbergstraße 10 und 30
Backbergstraße 13/15


Büdnerhaus Backbergstraße 10

Beide Wohnhäuser gehören zu den wenigen erhaltenen Bauernhäusern im Britzer Kerngebiet an der Backbergstraße, einer der ältesten Britzer Straßen. Die klassizistischen Bauernhäuser aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts lassen den historischen Charakter der Backbergstraße noch deutlich werden. Beide sind durch einen Vorgarten von der Straße zurückgesetzt und zeigen die typischen Merkmale wie Traufständigkeit, den Eingang in der Mittelachse der Vorderfront und den klassizistischen Stuck. Das Gebäude Backbergstraße Nr. 13/15 wurde um 1875 errichtet, das Wohnhaus Nr. 30 etwa um 1880.


Büdnerhaus Backbergstraße 30

Das Wohnhaus Backbergstraße 10 wurde 1890 im Stile des Neubarock erbaut. Mit seiner dörflichen Typologie ist es den Wohnhäusern Nr. 30,13/15 sehr ähnlich. Im Unterschied zu den beiden anderen ist es aber schon zweigeschossig und dokumentiert die sehr langsam voranschreitende Verstädterung von Britz.


Büdnerhaus Backbergstraße 13/15

Büdnerhaus Britzer Damm 207

Das Wohnhaus am Britzer Damm 207 wurde 1846 von seinem damaligen Eigentümer, dem Stellmacher Carl Friedrich Eduard Großmann, als eingeschossiges, traufständiges dörfliches Haus mit einem hohen Giebeldach erbaut.

Der Bautyp ist eine Weiterentwicklung des Mitteldeutschen Doppelstubenhauses, welches zur Straße hin sechs Achsen, zum Hof hin sieben Achsen aufweist und jeweils aus Flur (Küche) und Stube besteht. Das Wohnhaus setzt sich aus einer Wohnung mit 2 Stuben und einer Küche für den Eigentümer sowie zwei Einliegerwohnungen im Erdgeschoss und vier Wohnungen im Dachgeschoss, die jeweils über eine Stube und Küche verfügen, zusammen. Somit erweist sich das Haus entwicklungsgeschichtlich als ein Beispiel für den frühen Übergang vom dörflichen zum späteren städtischen Mietshaus.


Büdnerhaus Britzer Damm 207

Die Fassade zeichnet sich durch eine feine Gliederung aus toskanischen Pilastern, profilierter Türrahmung und Fenstern mit gerader Verdachung und einfachen Fenstersohlbänken aus.

Durch seine unmittelbare Lage im Bereich der ehemaligen Dorfanlage Britz stellt das Gebäude ein Zeugnis für die ursprüngliche dörfliche Bebauung an der Schwelle zur vorstädtischen Entwicklung in der Mitte des 19. Jahrhunderts dar. Es wurde aufgrund seiner Bedeutung für das Stadtbild bereits 1953 als Baudenkmal ausgewiesen.

Dorfschule

Die 1774 von Hertzberg gegründete Dorfschule wurde 1838 von Jouanne erneuert und 1852 wegen der rapide anwachsenden Zahl an Schulkindern erweitert. Der kleine Jouannsche Anbau ist noch erhalten ebenso der von Wrede errichtete Neubau von 1875.


Alte Dorfschule